26. Juli 2007

Ein neuer Landrat für Wittenberg

aus dem Klartext 03-2007 Seite 6

Jürgen Dannenberg im Portrait

Am 6. Mai dieses Jahres setzte sich der 55jährige Linkspartei-Politiker Jürgen Dannenberg überraschend deutlich mit gut 54 Prozent der Stimmen gegen den Mitbewerber von der CDU in der Stichwahl durch und ist somit bundesweit der dritte Landrat mit einem Parteibuch der Linkspartei. Im ersten Wahlgang lag er noch mit 6 Prozentpunkten hinter seinem Konkurrenten von der Union. Ab Juli dieses Jahres ist er somit Verwaltungschef des Landkreises Wittenberg, in dem nach vollzogener Kreisgebietsreform etwas mehr als 150.000 Menschen leben werden. Für viele kam dieser Erfolg überraschend. Wer allerdings Dannenberg in den letzten 15 Jahren begleitet und beobachtet hat, weiß, dass der Erfolg nicht zufällig eingetreten ist.

Seit 17 Jahren wirkt er als Kreistagsabgeordneter, erst im Landkreis Jessen und ab 1994 im Kreistag Wittenberg. Davon war der im kleinen Dorf Lebien lebende Dannenberg allein 14 Jahre Vorsitzender des Gesundheits- und Sozialausschusses. Beharrlich mühte er sich darum, dass das soziale Gefüge des Landkreises nicht völlig aus den Fugen gerät. Als Partner von sozialen Vereinen kämpfte er um jede Mark bzw. um jeden Euro öffentliche Unterstützung. Aber auch viele Empfänger von Hartz IV oder von Sozialhilfe wandten sich bei Fragen und Problemen direkt an den Kreistagsabgeordneten. Er hatte und hat im wahrsten Sinne des Wortes sein Ohr an der Basis und brachte seine Erfahrungen in aktuelle politische Auseinandersetzungen ein. Diese offene und ehrliche Art war letztlich ausschlaggebend für seinen Erfolg. Viel Zeit zum Genießen des Erfolges bleibt dem frisch gewählten Landrat allerdings nicht. Wirft man nur einen vorsichtigen Blick auf die Eckdaten des Haushalt des Landkreises Wittenberg bleibt nur ein Fazit: Der Kreis ist pleite. Allein im Jahr 2007 klafft im Verwaltungshaushalt eine Lücke von über 18 Millionen Euro. Noch nicht eingerechnet ist dabei das Minus, welches anteilig aus dem Kreis Anhalt-Zerbst hinzukommt.

Einmal mehr stimmt somit die Aussage von Gregor Gysi, der bereits vor Jahren die These vertrat, dass Linke oftmals dann gewählt werden, wenn die öffentlichen Kassen leer sind. Trotz alledem dürfe man sich dann nicht vor der Übernahme von Verantwortung drücken, so Gysi damals. Und das will Jürgen Dannenberg in keinem Fall tun. Bereits jetzt hat er konkrete Vorstellungen, um den Landkreis wieder handlungsfähig zu machen. Aus seiner Sicht ist das Wichtigste, um den Landkreis am Leben zu erhalten, die Frage der Haushaltskonsolidierung. Er bleibt allerdings bei seiner Aussage vor der Wahl: Das darf nicht auf Kosten der kreisangehörigen Städte und Gemeinden geschehen. Eine bis zum Jahr 2013 geplante Erhöhung der Kreisumlage auf 70 Prozent der Zuweisungen ist mit ihm nicht machbar. Einsparpotentiale sieht er im Rahmen der Umsetzung der Gebietsreform. Aber auch eine Reduzierung von Personalkosten ist für ihn kein Tabuthema. Hierzu müsse allerdings erst einmal ein Personalentwicklungskonzept auf den Tisch. Auf die Frage, dass gerade in diesen Punkten Konflikte mit der eigenen Partei zu erwarten sind, betont Dannenberg, dass er nicht in aller erster Linie Landrat seiner Parteimitglieder, sondern dass er Landrat für die Einwohner des Landkreises Wittenberg ist. Unbedingt will er aber seine Fraktion im Kreistag auf dem Wege der Entscheidungsfindung mitnehmen. Dannenberg: ?Wir sind es gewöhnt, in der Linkspartei nie zu allen Problemen einen Konsens zu haben, den muss man sich erstreiten.? Seinen Stil einer bürgernahen Politik will er auf keinem Fall ändern. Neben dem Führen einer Verwaltung will er auch weiterhin für die Menschen da sein, sich ihre Sorgen und Nöte anhören, um gemeinsam mit ihnen nach Lösungen suchen. Dass das nicht leicht wird, weiß er am Besten, denn neben der Stärke große Kompromissbereitschaft an den Tag zu legen, hat er nach eigener Aussage eine große Schwäche: ?Ich kann das Wort ?Nein? schwer aussprechen.?
Matthias Gärtner
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